Auf Kamelen die Wüste Gobi bereist
Zeitungsartikel von Eva Böhm, Nordbayerische Nachrichten, 20.10.2007 über die VHS-Veranstaltung am 18.10.2007
Werner Bauer berichtete über eine außergewöhnliche Landschaft- Kein Laut war zu hören
Werner Bauer, ehemaliger Ausbildungsleiter bei KSB in Pegnitz, fungierte als Reiseleiter, als es am Donnerstagabend vom Vortragssaal des Bürgerzentrums zu einem Spaziergang auf die Seidenstraße und zu einem Kamelritt durch die Wüste Gobi ging. Als charmante Stewardess assistierte Christa Goering, die sich hoch erfreut über den Besuch der 30 Gäste zeigte.
PEGNITZ (be) - «Mythos Seidenstraße» - «Mit Kamelen durch die Wüste Gobi» war das Reisetagebuch überschrieben, das Bauer per DVD-Player präsentierte. Er zeigte traumhaft schöne Bilder mit einem fesselnden Reisebericht verknüpft, fein untermalt mit chinesischen Melodien. Er ließ jedoch auch seine lyrische Ader sprechen: «In der Wüste spürt man das Fließen der Zeit.» Er schilderte, dass es dort vollkommen still sei, kein Laut sei zu hören.
Von Wien aus startete die kleine Reisegruppe; 14 Stunden dauerte der Flug bis Peking. Die Wüste Gobi ist die viertgrößte Wüste der Erde, sie besteht zu 20 Prozent aus Sand, ansonsten aus Steinen und Gebirge. Dünen können bis zu 800 Meter auftürmen. Man sich schnell verlaufen. 142 Salzwasser- und 12 Süßwasserseen hat die Wüste Gobi. Auch der Sand ist höchst unterschiedlich - von staubzart bis leicht körnig. Die Wasserstellen locken unzählige Fliegen an und diese wiederum Vögel.
Werner Bauer bezeichnete China als ein aufstrebendes Land voller Gegensätze. In den Städten beginne bereits der Umweltschutz, erste Grünanlagen würden angelegt und gepflegt. Andererseits gebe es eine derartige Umweltverschmutzung durch Smog, dass beispielsweise die Chinesische Mauer nur im Dunstschleier fotografiert werden konnte. Wenn ein Haus gebaut wird, hat dies mindestens 24 Stockwerke, in geplanten Städten mit 30 000 Einwohnern seien die Straßen gleich auf den Verkehr von Hunderttausend ausgerichtet.
400 Kilometer ist die Gruppe insgesamt gewandert, davon zehn Tage in die Wüste Gobi, etwa 85 Kilometer einfache Strecke. Witzig war das Treffen mit einem Geologie-Professor aus Erlangen, der zufällig mit einer internationalen Studentengruppe des Weges kam.
Die erste Station war Beijing, hier zeigte er schöne Parks mit außergewöhnlichen Steinen und zahlreiche Teiche mit prachtvollen Lotusblumen. Gut organisiert klappte der Besuch der «Hutong», das sind die Altstadtbezirke, die es in jeder Stadt gibt, sie sind eingezäunt und überall gleich. Die Häuser haben nur eine Tür nach außen, gar keine Fenster und sind im Inneren sehr gemütlich eingerichtet.
Hier wird gezeigt wie die Leute früher wohnten. Auch ihr Hobby kann man sehen, sie halten Singvögel oder, wem das zu teuer ist, zirpende Grillen.
Eine Zwischenstation wurde in Wuwei eingelegt. Bei einer Hütte mitten in der Wüste begann das ungewöhnliche Wüstentrekking. Die Nomaden, also die Kameltreiber, fahren mit dem Moped zur Arbeit, parken dies neben der Kamelhütte.
Bauer lieferte fantastische Bilder vom Sandmeer in faszinierenden Farben in intensivsten Gelb-, Orange- und Rottönen. Auch Spiegelungen fotografierte er meisterhaft, gemäldegleich. Grandiose Wolkenbilder hielt er ebenso fest wie die Vegetation in der Wüste, blühende Blumen und allerhand Gras- und Straucharten.
Er berichtetet, dass Kamele kluge Tiere seien, denn sie knabbern die Pflanzen oberhalb der Wurzel ab, sodass sie weiter wachsen können. Witzig stellte er eine Untersuchung über die Höckerformen der Trampeltiere an. Diese gehen von der «Normal- über die S-, X- oder Nix-Form», was durchaus Erheiterung auslöste.
Am Tag wurden etliche Male Temperaturen von 40 Grad erreicht, nachts ging es runter bis sieben Grad im Zeltinnenraum. Einmal regnete es sechs Stunden in der Nacht.
«Sieben Schätze»
Nach diesen faszinierenden Schilderungen erzählte er noch wie gut die «Sieben Schätze» schmecken, die er mittlerweile mit Stäbchen verspeisen kann, und machte den Besucher noch richtig Appetit auf eine knusprig gebratene Peking-Ente. Während des Trekkings wurden die Teilnehmer immer mit frisch gekochtem Essen vom Wok verköstigt. Ein chinesischer Führer und ein Koch mit seinem Bruder sorgten für das Gelingen des Abenteuers.
Bereits einige Jahrhunderte vor Christus wurde in dieser Region schon mit Seide gehandelt. Der Begriff «Seidenstraße» tauchte in der Literatur jedoch das erste Mal im 19. Jahrhundert auf.
Eine kleine Tibetika-Ausstellung mit verschiedenen Exponaten wie Thangkas, Ritualgegenständen und Büchern sorgte noch für weitere interessierte Fragen, die Bauer mit profundem Wissen beantwortete. 20.10.2007